Ein Leben im Zeichen des Fußballs

Ein Nachruf auf Albert Heyder

Ein Leben im Zeichen des Fußballs

Aus Anlass des Todes unseres Veterans Pat Heyder (84) veröffentlichen wir neben dem Nachruf ein Interview von 2009 mit ihm und dem ebenfalls vor einiger Zeit verstorbenen Hans-J. Schiedung zum Derbyklassiker Saalfeld - Unterwellenborn. Lesen Sie über die sportlichen Laufbahnen der ehemaligen Kontrahenten und die Erinnerungen an "Das Duell".

Ein Leben im Zeichen des Fußballs
Ein Nachruf auf Albert Heyder

von Christin Uthe

Am 5. Dezember 2023 verstarb im Alter von 84 Jahren Albert "Pat" Heyder. Ein Saalfelder Sportlerherz hörte auf zu schlagen. Als aktiver Fußballspieler bei Motor Saalfeld, als Trainer, Ausbilder und DFB-Stützpunkttrainer wirkte er bis weit über das Renteneintrittsalter hinaus. Dabei erwarb er sich für den Saalfelder Vereinssport und den Thüringer Fußball ein hohes Ansehen.

Pat Heyder, geboren 1939, gehörte zur Generation der Straßenfußball-Kinder. Seine Sportlerkarriere startete quasi auf dem Kirchplatz in Saalfeld. Sein erster Verein im Jugendalter war Rotation Saalfeld auf dem Sportplatz am Thälmannwerk. Später kam er über die Stationen Dynamo Dermbach, wo man sein Potential erkannte, auf die Sportschule von Dynamo Dresden, wo er bei Dynamo II spielte und die Qualifikation für die 2. Liga in der DDR erreichte. Der Weg zurück nach Thüringen führte über Dynamo Erfurt zu Motor Saalfeld. Hier spielte er seit 1957 bis in die 80er Jahre. 1965 gehörte er kurz Stahl Maxhütte an.

Er war ein Allround-Spieler. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehörten die Spiele mit der Uni-Auswahl Jena, übrigens an der Seite von Saalfelder „Schrote“ Stapelfeld und Trainer-Koryphäe Hans Meyer. "Als wir gegen die THFK Leipzig spielten, machte ich wohl das größte Spiel meiner Laufbahn. Wir gewannen 3:2 und ich konnte keinen geringeren ausschalten als den Nationalspieler Bauchspieß, der mein direkter Gegenspieler war" berichtete Pat in einem Interview für den VfL 06 Saalfeld, dem er sehr verbunden war.

Pat Heyder gehörte auch als Verteidiger zur Mannschaft des legendären FDGB-Pokalsieg des Bezirkes Gera 1958. Im Endspiel auf der Pößnecker Warte bezwang Motor Saalfeld Chemie Kahla mit 3:2 (1:2).

Über den Fußball hinaus, gehörte sein Herz dem Sport. So erforschte er die Historie des Handballsports von 1923-1945 beim VfL 06 und hatte Freude beim Wintersport.

Der FC Saalfeld wird Pat Heyder und seinen Verdiensten ein ehrendes Andenken bewahren. Seiner Familie gehört unser tiefes Mitgefühl.

Bildunterschrift: Ein ewiger Erfolg in der Chronik des Saalfelder Fußballs: 1958 - Pat Heyder (hinten) mit den FDGB-Bezirkspokal in den Händen



Aus dem Programmheft vom Sonnabend, 7.11.2009

Landesklasse - VfL 06 Saalfeld vs. SV Stahl Unterwellenborn 1:1 (1:1):

Das ewig junge Derby

Albert Heyder, genannt „Pat

(Jg. 1939) Spieler-Veteran des VfL 06 Saalfeld

gefragt von Christian Uthe

Wie sah Ihre aktive Fußballkarriere aus?

Ich gehörte zur Generation der Straßenfußball-Kinder, die manchmal ohne einen richtigen Ball auf den Plätzen der Stadt, z.B. auf dem Kirchplatz, kickten und begann erst im Jugendalter bei Rotation Saalfeld auf dem Sportplatz am Thälmannwerk aktiv zu spielen. Später kam ich über die Stationen Dynamo Dermbach, wo man mein Potential erkannte, auf die Sportschule von Dynamo Dresden, wo ich bei Dynamo II spielte und die Qualifikation für die 2. Liga in der DDR erreichte. Der Weg zurück nach Thüringen führte über Dynamo Erfurt zu Motor Saalfeld, wo ich schon früher Kontakte hatte. Hier spielte ich seit 1957 bis in die 80er Jahre. Für das aktuelle Thema wird es nicht unbedeutend sein, dass ich für 1-2 Jahre um 1965 für Stahl Maxhütte spielte. Besonders schöne Erinnerungen habe ich an die Spiele mit der Uni-Auswahl Jena, übrigens an der Seite von Saalfelder „Schrote“ Stapelfeld und Trainer-Koryphäe Hans Meyer. Als wir gegen die THFK Leipzig spielten, machte ich wohl das größte Spiel meiner Laufbahn. Wir gewannen 3:2 und ich konnte keinen geringeren ausschalten als den Nationalspieler Bauchspieß, der mein direkter Gegenspieler war. Auch das Einweihungsspiel gegen die SG Wismut Karl-Marx-Stadt (2:4) ist mir noch bestens in Erinnerung. Heute bin ich 70 Jahre und arbeite noch für den DFB als Stützpunkttrainer.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre aktive Zeit bei Motor Saalfeld, dem heutigen VfL 06 und was waren Ihre Stärken?

Es war im Jahr 1957 als Siegfried Fischer aus Rostock und Uli „Stutz“ Studzinski von der ASK Stralsund zurückkehrten und Herbert „Liga“ Liebmann Trainer war als ich in die Mannschaft kam. „Stutz“ hatte mich vorher angesprochen. Damals war die „Kampfbahn des Friedens“ auf dem Zeissgelände unsere Heimstatt. Mein erstes Spiel machte ich in Neustadt, wo wir 1:1 spielten. Ich spielte anfangs als Libero und rechter Verteidiger, später im Sturm und sogar im Tor. Als Allrounder konnte ich überall eingesetzt werden, zeigte ein gutes Härteverhalten und Stärken im Kopfballspiel. Bei einem 6:1-Sieg in Kahla konnte ich mal 5 Treffer erzielen. Teilhaben konnte ich an einem der größten Vereinserfolge, den Gewinn des Bezirkspokals 1958. Im Endspiel auf der Pößnecker Warte gegen Chemie Kahla spielte ich als Verteidiger, ein Foto in der Stadiongaststätte erinnert noch an diesen schönen Erfolg.

Welche Saalfelder Spieler sind Ihnen in Erinnerung?

Dieter Blumhagen, Studzinski, Torwart Leimer, Herbert Müller, Gerold, Dümmler, Wischnowski ein eisenharter Linksverteidiger, „Specktaube“ Schwarz, Pat Heyder und einige deren Namen mir nicht gleich einfallen…

Wie schätzen sie die Derby-Bilanz beider Vereine ein?

Das kann jetzt subjektiv sein, ich kann es nur vorsichtig annehmen. Aber ich denke wir waren zu meiner Zeit meist leicht favorisiert und haben wohl mehr Spiele gewonnen und auch schöne Auswärtssiege sind mir in Erinnerung. Aber alle Duelle waren immer heiß umkämpft und haarig!

Gibt es noch etwas ganz Besonderes was Ihnen zur Konkurrenz beider Vereine einfällt?

Ja. Wenn wir uns als Gegner besonders lieb hatten, also beispielsweise nach einem Unentschieden, traf sich ein Teil beider Mannschaften anschließend noch im „Bücke Dich“, das damals eine Stammkneipe der Saalfelder war.

Hier begegnen sich auch heute noch Aktive aus beiden Lagern.

Es wäre eine schöne Idee die mich begeistert, wenn es gelänge die genannten Ehemaligen von Motor und Maxhütte noch einmal dort am historischen Ort wiederzutreffen. Ich bin sofort dabei.

Eine großartige Idee die wir als Verein gern unterstützen, gehen wir das doch an.

Vielen Dank für Ihre erhellenden Berichte und alles Gute für Sie.


Erinnerungen

Das ewig junge Derby

Hans-Jürg Schiedung

Spieler-Veteran Stahl Maxhütte


gefragt von Christian Uthe

Welche Erinnerungen haben sie an ihre aktive Zeit bei der „Hütte“ und welche Rolle spielten sie in der Mannschaft?

Ich bin Jg. 1939 und spielte aktiv bei der BSG Stahl Maxhütte von 1960 – 1975 in der damaligen Bezirksliga (3. Liga in der DDR), neben bekannten Spielern wie Manfred Penzel, Wolfgang Ehrhardt, Hans Jürgen Beck oder Siegbert Nater. Ich galt als ein schussstarker Sturmtank, Rechtsfuß und Freistoßspezialist, war Kapitän und spielte später auf der Vorstopperposition. Ich hatte das Fußballspielen in einer kleinen Landsportgemeinschaft begonnen und wechselte wegen meiner Beschäftigung in der Maxhütte in die Stahlelf, die sich um 1960 im Umbruch befand. Wir lösten eine ältere Mannschaft ab, die bis 1958/59 Ex-Auswahlspieler von Turbine Erfurt wie Nordhaus, Martin und Vollrath über Gehaltslisten des Werkes „beschäftigte“. Wir mussten selbst oft den nicht gerade besten Ruf der Stahlelf, der vor meiner Zeit entstand, ertragen: „gehätschelte Werkstruppe“, „Schnitzelelf“ usw. hieß es damals. Bis 1965 trainierte uns Herr Findeisen, der dann von Dieter Schmidt, der schon beim BFC Dynamo Berlin und Dynamo Dresden spielte, als Spielertrainer abgelöst wurde. Er verstärkte das Spiel enorm und es war etwas Besonderes ihn im Team zu haben. Besondere Erinnerungen habe ich an solche Ereignisse, wie den Gewinn der Bezirksmeisterschaft und den anschließenden Empfang durch die Betriebsleitung oder an die aufwendige Besorgung von Trainingsanzügen für unsere Mannschaft in Gera, die als etwas teurere „Exquisit“-Variante der finanzierenden Betriebsleitung sofort ins Auge stach. Aber das ist schon eine der vielen Episoden, an die man gern zurück denkt.

Wie sahen damals die Derbys aus zwischen Motor Saalfeld, dem heutigen VfL 06 und Stahl Maxhütte, der heutigen SG Stahl Unterwellenborn?

Die Derbys waren immer Höhepunkte und noch brisanter als die gegen Rudolstadt, Schwarza, Pößneck usw.. Sie waren schon im Vorfeld das beherrschende Thema und auch am Montag danach das Thema Nr. 1 in den Betrieben. Zu den Derbys kamen auch 1000 Zuschauer und mehr. Aber das bemerkenswerteste ist, dass es, bei aller Konkurrenz und Hitzigkeit, äußerst faire Begegnungen waren, obwohl wir uns sportlich nichts schenkten. Auch nach den Derbys fanden sich beide Mannschaften zu Essen und Trinken in den jeweiligen Stadiongaststätten (in Saalfeld in der Forelle) zum freundschaftlichen Ausklang zusammen.

Heute ist wieder Derbyzeit. Wie erlebten Sie die Derbys der Ortsnachbarn Saalfeld und Unterwellenborn?

Der Unterschied zu den heutigen Derbys ist, das zu meiner Zeit die Zuschauer in die Tausende ging. Vom Saalfelder Rasen in die Umkleidekabinen säumten hunderte Zuschauer mit ihren Kommentaren unseren Weg, da hatte man sich je nach Spielstand einiges anhören können. Die Saalfelder Betriebe vor allem Zeiss und WEMA standen auf Saalfelder Seite hinter ihrer Mannschaft, wie die Arbeiter der Maxhütte hinter Stahl. Vor den Spielen baute sich schon immer Spannung auf in der Mannschaft. Aber die Derbys waren nie von Gehässigkeit geprägt, weder vor noch nach den Begegnungen. Meistens war es ein offener Schlagabtausch und beide Seiten waren auf „kontrollierte Offensive“ eingestellt.

Gibt es ganz besondere Erinnerungen an das Duell?

Bei einem Derby habe ich mir fast die Zunge abgebissen bei einem Fallrückzieher. Ansonsten kann ich nur nochmal betonen, wie freundschaftlich unser Umgang unter den sportlichen Kontrahenten war. Wir sind nie aneinander vorbeigelaufen und grüßen uns noch heute. Man hat sich gegenseitig geholfen. So konnte ich auch für meinen Wochenendhausbau Hohlblocksteine aus der Hütte bekommen.

Wie schätzen Sie die Derby-Bilanz ein?

Es war ein sehr ausgeglichenes Verhältnis, der Glücklichere hat meist gewonnen.

Und wie erlebten Sie das Derby als Sie gerade Spieler bei der Maxhütte waren?

Dieter Schmidt, den ich von meiner Zeit bei Dynamo Dresden noch gut kannte, war damals Spielertrainer bei der Hütte. Eins bis zwei Jahre spielte ich dann in Unterwellenborn und wechselte mit „Stutz“ wieder zurück zu Motor. In den Derbys gegen meinen alten Verein ließ mich Dieter Schmidt, obwohl ich sonst gesetzt war, auf der Ersatzbank Platz nehmen, was mir meine Bekannten heute noch lachend vorhalten. Sie waren damals in der Erwartung zum Derby gekommen, mich spielen zu sehen…

Vielen Dank für die interessante Rückschau und weiterhin viel Spaß mit dem Fußball

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